E-Bass Nr. 2 im Eigenbau

E-Bass Nach dem ersten E-Bass, der eher einen "vintage" Klang hat habe ich festgestellt, dass dieser Klang nicht zu jeder Musik passend ist und mich entschlossen einen weiteren E-Bass anzuschaffen, mit modernerem Klang. Ausserdem fehlt manchmal wirklich das Tonspektrum nach unten, also kam nur ein ein 5-Saiter in Frage. Ich habe lange zwischen einem Bass mit und ohne Bünde hin und her überlegt. Letztlich hab ich mich wieder für bundlos entschieden.

Der Tonabnehmer ist entscheidend

Es gibt sehr viele kommerzielle Angebote, aber was mir bei den meisten nicht gefallen hat waren die Tonabnnehmer. Magnetische Tonabnehmer haben das immanente Problem eine Kammfiltercharakteristik zu haben, was man durch den Einsatz von mehreren Tonabnehmern versucht etwas auszugleichen. Dazu kommt dass der Frequenzgang, zumindest bei den hochohmgen magnetischen Tonabnehmern ein Tiefpassfilter sehr hoher Ordnung darstellt dessen Grenzfrequenz bei 4…7 KHz liegt. Schaut man sich das von modernen rundgewickelten Saiten erzeugte Spektrum an wird klar, dass diese Beschneidung suboptimal ist. Piezo-Abnehmer haben diese Nachteile nicht. Frequenzgänge bis oberhalb von 10 kHz sind für diese kein Problem und eine Kammfiltercharakteristik gibt es nicht. Historisch gesehen waren niederohmige magnetische Tonabnehmer nicht verwendbar da die Verstärkertechnik nicht rauscharm genug war. Auch für Piezo-Abnehmer muss der Verstärker besonderen Anforderungen genügen, die erst mit relativ neuen Entwicklungen der Vertärkertechnik möglich geworden sind. Leider ist bei den kommerziellen Angeboten nichts dergleichen zu finden, dort hält man nach wie vor an den Abnehmern des letzten Jahrhunderts fest. Diese haben sich nur marginal weiter entwickelt, etwas bessere Magnetmaterialien zum Beispiel, aber kein Technologiesprung. Also liegt wieder mal ein Eigenbau nahe.

Formgebung und Material

Die Formgebung des E-Basses ist nicht unwichtig, nur weil es kein Klangkörper wie bei der akustischen Gitarre gibt. Sehr wichtig ist zum Beispiel eine richtige Balance des Instrumentes. Man sollte es auf den Knien spielen können und umgehängt muss es so ausbalanciert sein, dass der Hals nicht dauern nach oben oder unten drifted. So etwas kommt bei sehr exotisch geformten Gitarrenkörpern schon mal vor, diese Instrumente sind dann schwerer zu spielen. Die Form einer Ibanez Spezial war die Vorlage für die Form des Körpers. Die Auswahl der Materialien wurde nicht nur nach rein opischen Eigenschaften ausgewählt. Die verwendeten Hölzer sollten wenig Eigendämpfung haben, für den Hals eine hohe Festigkeit und ein hohes Biegemodul. Für den Hals habe ich Ipé (Tabebuia serratifolia) ausgewählt. Dieses Holz hat ein extrem hohes Biegemodul, allerdings ist Ipé auch stark anisotroph, die Festigkeitswerte sind nur in der Wuchsrichtung hervorragend, sonst eher nicht. Das muss man in der Konstruktion berücksichtigen. Um die Biegefestigkeit weiter zu erhöhen habe ich einen Stab aus Carbonfaser in den Hals eingeklebt. Dieser ist nicht nur deutlich leichter als ein Stahlstab, sondern hat auch ein höheres E-Modul und Beigemodul. Das geringere Gewicht der Carbonstab-Stabilisierung erleichtert es das Instrument mit guter Balance zu bauen, da Ipé ohnehin eine hohe Dichte hat. Markant ist bei Ipé auch die sehr geringe Feuchtedehnung. Zum Beispiel Ahorn oder Eiche sind diesbezüglich schlechter, was sich negativ auf die Stimmstabilität auswirkt. Für den Körper habe ich Wildkirsche genommen, ein Holz mit genügend geringer Eigendämpfung, sehr schöner Oberfläche und nicht allzuhoher Dichte. Die Festigkeitswerte sind für den Korpus uninteressant. Der Hals ist durchgehend aus einem Stück, ohne Unterbrechungen für Tonabnehmer. Dadurch ist die Schalleitung optimal und Refrektionsfrei zwischen den Auflagepunkten der Saite, was sich gut auf die Tonerhaltung (Sustain) vor allem der Obertöne auswirken sollte.

Verstärker

Der Verstärker ist ähnlich dem des ersten E-Bass, musste aber an den Shadow SH097 angepasst werden. Dieser Tonabnehmer ist eigentlich für Konzertgitarren gebaut. Um damit eine Gute Basswiedergabe bis 30 Hz hin zu bekommen muss die Eingangsimpedanz des Verstärkers sehr hoch sein, also ist diese Angepasst. Der Tonabnehmer liefert eine recht hohe Spannung, weshalb der Verstärker nur ein Impedanzwandler mit V=1 geworden ist. Der Tonabnehmer ist unter dem Steg des Basses eingelassen. Der Steg ist aus Carbonfaserstab gefertigt, weil dieses Material ein sehr gutes Verhältnis von Festigkeit zu Dichte hat. Die Masse des Steges ist effektiv Teil eines Tiefpassfilters, das den Frequenzgang nach oben begrenzt, also muss er möglichst geringe Masse haben.

Fräsen Schaltplan

Saiten

Die Saiten sind entscheidend für den Klang, also das Obertonspektrum. Die Wahl fiel hier auf RotoSound 55. Diese Saiten sind auf einem 6-Kant-Kerndraht gewickelt was angeblich die Obertöne betont. Die Spannmechaniken sollten eigentlich wieder im Korpus statt am Halsende sein, das hat sich aber als konstruktiv nicht gut durchführbar erwiesen, und so habe ich einfach ein Satz Warwick Mechaniken eingesetzt. Dazu musste ich dann eine Platte als Halsende auf den Hals aufsetzen. Da das Halsende nach hinten abgewinkelt sein muss wäre bei einem Halsende und Hals aus einem Stück das Ipé schräg zur Faser belastet worden, was nicht gut wäre.

Daten

Fräsen


Bundlos (Frettless)
5 Saiter: HEADG
Saiten: Rotosound
 Länge total 1200 mm, 20 mm am Rollenende und 940 mm von Rolle bis Umspinnung
Saitenabstand am Sattel: 9 mm, am Tonabnehmer: 15 mm
Tiefste Saite: 867 mm Spannlänge
hochste Saite: 861 mm Spannlänge ( 6 mm schräg )
Länge: Long Scale, 864 mm
Tonabnehmer: Piezo:Shadow SH097 Piezo Pickup für Konzertgitarre
 Kapazität mit 40 cm Kabel gemessen: 640 pF.
 um 26 cm gekürzt: 614 pF
Vertärker: AD820A basiert, 9 V Batterie, 10 MOhm Eingang
Griffbrettwölbung R=180…200 mm