E-Bass Nr. 3, Ibanez

SR305 Bild

5-Saiter mit Bünden

Der SR305EB ist ein sehr günstiges Einsteigermodell von Ibanez. Der Klang ist sehr brillant und Dank der Einstellmöglichkeiten vielseitig variierbar. Die Mechaniken arbeiten sehr präzise und die Stellhysterese ist sehr klein, der Sattel aus Graphit-Kunststoff hat deutlich bessere Gleitreibungseigenschaften als Messingsattel. Die Gitarre ist sehr leicht und gut austariert. Die Halsform lässt sich leicht spielen.

Einsteck-Knall

Problem:

Beim Einstecken des Steckers in den Bass gibt es einen gewaltigen Knall im angeschlossenen Lautsprecher, da zuckt selbst der Nachbar noch. Das würde ich nicht erwarten, deshalb halte ich das für ein Problem.

Analyse:

Der aktive Verstärker wird wie bei vielen Modellen heutzutage mit einer 9 V Blockbatterie versorgt. Eingeschaltet wird diese Stromversorgung durch das Einstecken des 6,3 mm Klinkenstecker. Die Ausführung ist aber schäbig billig gehalten: Es wird eine Stereo-Einbaubuchse verwendet. Der Kontakt, der eigentlich für den linken Kanal vorgesehen ist wird zum Einschalten der Versorgung benutzt, dadurch dass der Kontakt für den Linken Kanal auf den Masseteil des Mono-Steckers trifft. Damit wird die Minusseite der Batterie auf Masse gelegt und so der Stromkreis geschlossen. Das Dumme ist nur, dass dieser Kontakt für den linken Kanal beim Einstecken zuerst mal auf dem Signal-Pin landen, und somit einen garantiert maximalen Einschalt-Knall an den Lautsprechern bewirkt. Es wundert mich, dass das offensichtlich jeder als gegeben hinnimmt. Die Knall-Unterdrückung wird wahrscheinlich durch Training eines Einsteck-Protokolls vermieden: "Beim Einstecken des Steckers an der Gitarre muss vorher unbedingt der Lautstärkesteller auf null gedreht werden." Aus meines Sicht ist das einfach nur ein Mangel infolge der Geiz-ist-geil Mentalität der Hersteller, das muss nicht sein.

Lösung:

Als Lösung des Problems würde man die Einbaubuchse durch eine mit eingebautem Schalter ersetzen, so etwas ist erhältlich. Im SR305 ist eine Buchse mit Einlochmontage verbaut, die von der Sichtseite eingesteckt wird. Die Buchsen mit Schalter sind aber alle nur von der Rückseite einbaubar. Also müsste man am Body rumfräsen um so etwas montieren zu können. Nicht ganz so einfach. Es gibt aber auch noch andere Möglichkeiten. Über einen MOSFET kann man die Battereispannung einschalten, hochohmig gesteuert über diesen Kontakt nach Masse. Der Kontaktstrom ist dabei sehr gering, um den Rest-Impuls den man dadurch beim Einstecken erzeugt zu minimieren.

Resultat:

Die Schaltung funktioniert an meinem Verstärker perfekt, das Einsteckgeräusch ist nur noch bei aufmerksamen Hinhören wahrnehmbar. Dazu muss man sagen dass ich nur aktive Bässe habe und entsprechend einen 10 kΩ Eingang am Verstärker. Die Versorgungsspannung wird bereits eingeschaltet wenn die Signal-Spitze des Steckers den Schaltkontakt berührt, also bevor der Signalkontakt am Vorverstärkerausgang anliegt. Auf den Eingang gelangt also statt viele ms lang 9 V nur eine sehr kurzer Impuls von 9 mV. Es gibt aber noch ein zweites Störsignal, das am Ausgang des Vorverstärkers erscheint solange die Versorgung und Hilfsspannungen noch nicht stabil sind. Da der Signal-Pin des Steckers aber erst verzögert an den Ausgang des vorverstärkers kontaktiert, wird auch dieses Störgeräusch vom Eingang des Verstärkers ferngehalten. An einem hochohmigen Verstärkereingang dürfte das Störgeräusch stärker sein, aber garantiert deutlich geringer als ein 9 V Signal.

Rückseite geöffnet Schaltplan

der Vorverstärker

pcb Der Vorverstärker BEQ3 wird von Ibanez als "low noise" bezeichnet. Das ist mal wieder eine typische Marketingaussage, teilwahr und doch irreführend. Der Vorverstärker hat einen 4-Fach OP des Typs MC33179 verbaut. Den könnte man als rauscharm bezeichnen, aber nur wenn er so beschaltet wäre wie die Eigenrauschen-Spezifikation ermittelt wurde, nämlich mit 100 Ω am Eingang abgeschlossen. Genau das ist bei den magnetischen Tonabnehmern aber nicht gegeben, die benötigen hochohmigen Abschluss. Es gibt also bessere OPs was Rauscharmut angeht. Die Wahl ist wohl eher von Preis und Stromverbrauch entschieden worden. Das ist auch ok so, denn die wirklich rauscharmen OPs haben eigentlich immer höheren Stromverbrauch und sind deutlich teuerer. Letzlich sind Rauschen und Verzerrungen durchaus in einem akzeptablen Rahmen.